Authentizität

von | 20. Feb. 2026 | Reitmagazin

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Authentizität bedeutet Echtheit

Autorin: Theres Misar, erschienen im PASSION Sommer 03/2024

Die Beziehung zwischen Matthias Geysen und Pferden ist eine aussergewöhnliche. Warum das so ist und wie diese Beziehung zustande kam, erzählt uns der aus Belgien stammende junge Mann an einem regnerischen Tag im Mai. Aus dem Gespräch wird schnell klar, dass Matthias nicht mit Schleifen und Pokalen von gewonnenen Turnieren brilliert, er ist ein sehr guter Reiter ohne Zweifel, aber sein Talent liegt darin, mit jedem Pferd eine ganz spezielle Verbindung einzugehen. Das ist nicht Magie oder nur ihm vorbehalten, wer sich darauf einlässt, kann dieses Wissen bei ihm erlernen.

Matthias Vater kaufte sich zwei Haflingerpferde. Die Idee die dahinter stand war, dass er und sein Sohn mehr gemeinsame Zeit verbringen konnten. Beide hatten von Pferden und reiten so gar keine Ahnung und das Abenteuer „Pferd“ lief unter dem Motto „learnin by doing“. Zu diesem Zeitpunkt zählte Matthias zwölf Jahre. Kreuz und quer durchstreifte das Vater Sohn Team die Wälder in Belgien und erlebten zusammen mit ihren Pferden eine wunderschöne gemeinsame Zeit.

Als Teenager verlor Matthias kurzzeitig das Interesse an Pferden, um sich später bei einer dreimonatigen Wanderung von Nordfrankreich nach Spaniern Gedanken über den Sinn und Aufgabe seines Lebens zu machen. Nach der Rückkehr nach Belgien gründete er zusammen mit einem Partner ein Unternehmen für Wanderreiten.

Die Idee fand grossen Anklang in seiner Heimat. Es gibt zwar viele Reiter in Belgien, aber Wanderreiten war etwas Neues, Unbekanntes und dementsprechend sehr gefragt. Ein kleines Anwesen wurde von den beiden Männern gekauft und natürlich Pferde. Diese durften nicht allzu viel kosten und gekauft wurde, was der Markt halt so hergab. Das unter diesen Voraussetzungen auch schwierige Tiere erworben werden mussten war klar.

So lernte der frischgebackenen Geschäftsmann den Umgang mit ihnen ohne Vorkenntnisse und dem vorgängigen Besuche entsprechender Kurse. Ein Vorbild in Sachen Umgang mit Pferden war für Matthias Frédéric Pignon. Die Art und Weise wie der Franzose mit Pferden arbeitet und kommuniziert fasziniert ihn noch immer.

Im Nachhinein stellte sich der vermeintliche Nachteil als grosser Vorteil heraus, dass der junge Belgier so ganz unbelastet an schwierige Pferd geriet, diese trainierte und auf die Wanderritte vorbereitete. Dabei fand er seinen eigenen Weg und Methode, um mit Pferden zu kommunizieren.

Zu der Pferdegruppe für die Wanderritte zählten damals rund dreizehn Pferde jeden Alters und Rasse. Beliebt waren Traber, diese zeigten wenig Lust am Galopp und somit fühlten sich auch eher ängstliche Leute auf ihnen sicher im Gelände.

Nicola Steiner

Dass das gekaufte Haus bereits schon am vierten Tag wegen einer defekten Leitung in die Luft flog, ist nur eine der besonderen Begebenheiten die Matthias des Öfteren passieren. Bei der Explosion wurde er verletzt und musste sich in Spitalpflege begeben.

Zurück auf dem Hof stellte er fest, dass ihn sein Geschäftspartner verlassen hatte. Aufgeben war keine Option, damit wurde Matthias Geysen sein eigener Chef. Die Wanderritte wurden via Facebook und eigener Website zu sehr günstigen Konditionen weitergeführt. Das erworbene Wissen über Pferde, die Erkenntnisse die daraus resultierten gab und gibt Matthias einer wachsenden Fangemeinde weiter. So ist sein Name in Frankreich, den USA, Holland und Australien schon bekannt. Seit einiger Zeit bietet er nun auch in den Schweizer Alpen eine ganz besondere Auszeit mit Pferden an.

Wie verhält es sich denn nun mit seinem erworbenen Wissen über Pferd und auch über Menschen und was kann er uns darüber erzählen?

Für Matthias ist jeder Mensch und jedes Pferd „unique“ also einzigartig und besitzt seine eigene Schönheit und Begabung. Er zeigt an seinen Vorträgen auf, wie diese Schönheit sicht- und fühlbar gemacht werden kann. Er spricht Menschen an, die offen sind um andere Wege als die bisherigen zu gehen.

Die zentrale Frage, die sich jeder und jede selber stellen muss lautet, was will ich mit meinem Pferd lernen? Oft wird der Fokus auf technische Übungen gelegt, letztendlich ist aber kein Problem nur mit Technik lösbar. Technik ist nicht per se etwas Schlechtes, zum Reiten lernen ist diese notwendig und hilfreich. Technik hilft dir aber nicht, mehr in die Tiefe zu gehen.

“Ich kenne viele talentierte Reiter und Reiterinnen, welche einen hohen technischen Level erreicht haben, wenn sie nun zusätzlich ihre Verbindung zu ihrem Pferd vertiefen, werden Dinge möglich jenseits ihrer bisherigen Vorstellungskraft“.

So die Aussage von Geysen.

Nicola Steiner

Ein weiterer wichtiger Punkt im Umgang mit Pferde ist für Matthias „Authentizität“.

“Pferde fühlen sich wohl, wenn du authentisch bist. Viele Menschen sind nicht authentisch, sie denken zu viel, erhalten zu viele Informationen aus allen möglichen Quellen, welche nicht immer hilfreich sind, die Gefahr besteht, dass man sich dabei verliert. Es wird nach einer einfachen Bedienungsanleitung im Zusammenhang mit Pferden gesucht“.

Wer bin ich? Diese auf den ersten Blick simple Frage ist oft nicht einfach zu beantworten. Wenn ich das weiss, kann ich es als Basis nehmen und alles weitere darauf aufbauen. Um sich mit Pferden zu verbinden, musst du dich selber sein.

Authentizität bedeutet Echtheit. Bei Menschen heißt das: Wer authentisch ist handelt nach seinen eigenen Werten und Einstellungen, statt sich für anderen zu verstellen. Das bedeutet: bei einem authentischen Menschen sind Denken, Handeln und Fühlen im Einklang miteinander.

www.matthiasgeysen.com/

© Theres Misar, Beitragsbilder: zur Verfügung gestellt

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