Der Bundesrat wird beauftragt, im Rahmen der Revision der Tierschutzverordnung die gesetzlichen Grundlagen in Artikel 59 ff. so anzupassen, dass den besonderen Eigenschaften von Eseln und Maultieren/Mauleseln Rechnung getragen wird.
Motion, eingereicht im Nationalrat (Schweiz)
Eingereicht von Anna Gaicometti, 21.9.2022
Der Bundesrat wird beauftragt, im Rahmen der Revision der Tierschutzverordnung die gesetzlichen Grundlagen in Artikel 59 ff. so anzupassen, dass den besonderen Eigenschaften von Eseln und Maultieren/Mauleseln Rechnung getragen wird.
Equiden sind soziale Tiere, die sich in ihrer Herde am wohlsten fühlen. Die natürlichen Bedürfnisse eines Equiden werden demnach nicht erfüllt, wenn es alleine gehalten wird. Gemäss aktuell gültigem Tierschutzrecht muss deshalb zumindest Sicht-, Hör- und Geruchkontakt zu einem anderen Pferd, Esel, Maultier oder Maulesel gegeben sein.
Der Esel (Equus asinus) gehört einer anderen Species an als das Pferd (Equus caballus). Ein Maultier ist eine Kreuzung einer Pferdestute mit einem Eselhengst und ein Maulesel ist eine Kreuzung einer Eselstute und einem Pferdehengst. Es ist unbestritten, dass sich Esel und Pferde sowohl optisch als auch in Physiologie und insbesondere im Verhalten unterscheiden. Pferde können deshalb keinen Sozialpartner für Esel, Maultiere und Maulesel ersetzen und umgekehrt, worauf TschV Artikel 59 nicht eingeht und alle Equiden grundsätzlich gleichstellt.
In der Schweiz leben gemäss Tierstatistik etwa 11 000 Esel, Maultiere und Maulesel. Sie benötigen besondere Haltungsvorschriften: Weil das Fell anders als bei Pferden nicht wasserabweisend ist, sind Esel sehr empfindlich auf kalte Nässe. Esel benötigen deshalb einen permanenten Zugang zu einem Unterstand, unabhängig von der Zeitdauer ihres Aufenthalts im Freien.
Esel, Maultiere und Maulesel benötigen energie- und proteinarme aber faserreiche Nahrung. Auf unseren reichhaltigen Weiden können sie durch Grasen ihren Nährstoffbedarf innerhalb von nur ca. zwei Stunden decken. Entsprechend ist der Zugang zur Weide den Jahreszeiten und der Qualität des Graslandes anzupassen und viel alternative Bewegungsmöglichkeiten auf Trockenplätzen mit Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten. Ausserdem ist dem Umstand, dass Esel keine Weide-, sondern ursprünglich Wüstentiere sind, in unseren Klimazonen und Vegetation indem Sinne Rechnung zu tragen, dass regelmässige Gesundheitskontrollen vorzunehmen sind. Unterstände, Trockenplätze und Gesundheitskontrollen sind insbesondere bei der Alpsömmerung eine besondere Herausforderung, was zu tierschutzrelevanten Problematiken führen kann.
Lies dazu auch unseren Beitrag des Schweizer Tierschutz STS zum Thema „Für kontinuierlichen Nachschub sorgen – Pferde richtig füttern“
«Esel und Maultiere verfetten leicht»
Esel und Maultiere haben zwar einen ähnlichen Magen-Darmtrakt wie Pferde und Ponys, aber es gibt trotzdem grosse Unterschiede. Esel können schwerverdauliche, sehr faserreiches Futter besser verwerten. Sie benötigen nur 50-75 % des Energiebedarfes eines Ponys mit vergleichbarer Körpermasse. «Achtung, sie verfetten leicht», warnt Conny Herholz.
Auch benötigen sie weniger Eiweiss, weil sie Harnstoff effizienter rezyklieren als andere Equiden. Esel und Maultiere nehmen bei zu nährstoffreicher Fütterung an Gewicht zu und werden damit krankheitsanfälliger. Esel zeigten oft sehr spät, im fortgeschrittenen Krankheitsstadium, dass sie Schmerzen haben und neigten sogar dazu, das Fressen vorzutäuschen, wenn sie krank sind, stellt Herholz fest. Das macht es für den Halter schwierig, Krankheiten bei Eseln frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig darauf zu reagieren.
Esel und Maultiere sollte man nicht unbeschränkt auf der grünen Wiese weiden lassen. Sie benötigen einen Trockenplatz, auf welchem sie Äste beknabbern können. (Foto: Eselmüller-Stiftung)
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