«Hallo Christian, wir haben 20 Tonnen Kartoffeln Agria, welche für den Grossverteiler zu gross sind. Die Sorte ist mehlig kochend und sehr gut lagerbar. Die Kartoffeln sind auf unserem Hof.» Mit dieser kurzen Nachricht begann unsere Geschichte.
30 Tonnen Kartoffeln vermittelt
Der WIR-Marktplatz für Lebensmittel-Produzenten in Deiner Nähe (Schweiz)
Autorin: Beatrice Hohl
Kürzlich habe ich einen Hilferuf auf Telegram gelesen: 20 Tonnen Bio-Kartoffeln wurden vom Grossverteiler verschmäht und lagen nun ohne Zweck und Verwendung auf einem Bauernhof. Ich habe mich an der „Rettungsaktion“ beteiligt und 20 kg wunderbare Kartoffeln bereichern nun unseren Menuplan.
Lebensmittel vernichten in Zeiten, in welchen wir uns eigentlich Sorgen um die Lebensmittelversorgung machen müssten? Wäre es nicht eine gute Sache, Lebensmittel, die vom Grossverteiler nicht oder nur unter grossen Einschränkungen angenommen werden, in unsere Küchen zu bringen, anstatt sie verderben zu lassen? Zufällig war ich zur rechten Zeit am richtigen Ort und so wurde ich Teil eines Projektteams, das Lebensmittelproduzenten dabei unterstützen möchte, ihre Produkte direkt an den Endverbraucher zu bringen. Entstanden ist dabei der WIR-Marktplatz.
Das Motto von WIR ist „Wirksamkeit – Intuition – Respekt“ und passt hervorragend zu den Werten, die wir auch mit 4my.horse anstreben. Daher richte ich ausnahmsweise Dein Augenmerk auf dieses neue Projekt; aktuell (Oktober 2022) stehen einige Tonnen Bio-Demeter-Kartoffeln parat, welche unglücklicherweise kurz vor dem Erntezeitpunkt von Drahtwürmern befallen wurden. Dies tut dem Geschmack und der Lagerfähigkeit keinen Abbruch, aber Du musst beim Rüsten etwas mehr Aufwand mit einrechnen. Der Preis wurde entsprechend gesenkt. Hier findest Du die Details dazu.
«Hallo Christian, wir haben 20 Tonnen Kartoffeln Agria, welche für den Grossverteiler zu gross sind. Die Sorte ist mehlig kochend und sehr gut lagerbar. Die Kartoffeln sind auf unserem Hof.»
Mit dieser kurzen Nachricht begann unsere Geschichte.
Als sich im Spätsommer 2022 Filippo Larizza an Christian Oesch wandte, erhoffte er sich, dass die vielen Leser des Telegramkanals vom Schweizerischen Verein WIR helfen würden, die vom Grossverteiler verschmähten Kartoffeln von Biobauer Urs Siegenthaler vor der Vernichtung retten zu können.
Christian fackelte nicht lange und rief seine Leser zum Helfen auf.
Grosser Wille zum Helfen
Wie ein Lauffeuer verteilte sich die von Christian Oesch auf Telegram veröffentlichte Nachricht und innert 24 Stunden waren nicht nur die 20 Tonnen Kartoffeln vermittelt, sondern es lagen Anfragen für deren 30 vor!
Dank guter Vernetzung musste Urs niemanden enttäuschen und weitere Landwirte konnten die zusätzlichen 10 Tonnen bereit stellen. So haben letztendlich 30 Tonnen hochwertige Kartoffeln ihren Weg aus dem Bernbiet in heimische Küchen gefunden.
Ein ganz grosses Kompliment an alle Käufer; vor allem auch an die initiativen Menschen, welche vorhandene Gruppenstrukturen nutzten, um die schnelle Verteilung an die einzelnen Abnehmer zu organisieren.
Von der einmaligen Aktion zum WIR-Marktplatz
Die schnelle Aktion hat natürlich ziemlich viel Wind aufgewirbelt. Viele Landwirte haben angeklopft und wollten ihre Gedanken, Sorgen und innovativen Ideen mitteilen. In einer kurzfristig anberaumten Zoom-Sitzung, an welcher ich ebenfalls teilnahm, kam dann die Idee auf, den Weg zu ebnen für einen speziellen Marktplatz.
Ziel dieses Marktplatzes soll es sein:
- Produkte, welche von den Grossabnehmern verschmäht werden, vor der Vernichtung zu retten
- Produkte direkt von der Produktionsstätte (Acker, Feld, Obstplantage, Rebberg…) an die Endabnehmer zu bringen
- weitere Angebote unserer Landwirte bekannt zu machen, um ihnen den Verkauf direkt ab Hof einfacher zu machen
- die Bevölkerung auf die Produzenten in der Nähe aufmerksam zu machen und sie zu motivieren, direkt in ihren Hofläden einzukaufen (wichtig auch im Hinblick auf die Krisenvorsorge!)
- gemeinsam nach innovativen, zukunftsfähigen Modellen zu suchen, bei welchen alle Aspekte der Lebensmittelproduktion (vom Zeitpunkt der Planung, der Pflege, der Ernte, dem Vertrieb und der Konsumation) sowohl vom Produzenten, als auch vom Kunden mitgestaltet werden.
In dieser Aufzählung fehlen gewiss noch viele weitere Punkte. Und wenn Du an diesem Prozess teilnehmen möchtest, freuen wir uns über Deine Ideen.
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