Sommer – Zeit der Insekten, Zecken und Ekzeme
Worauf kommt es an und welche Möglichkeiten haben wir?
Autorin: Michaela von Zerssen, PferdeGesundheitSchweiz – erstveröffentlicht im April 2016
Mit dem Frühling erwacht das Leben. Der Luftraum ist nicht mehr nur von Flugzeugen und deren Kondensstreifen verziert. Er wird auch wieder durch Vögel, Fliegen, Mücken und anderen Tierchen belebt.
In den Büschen und Wiesen herrscht ebenfalls Hochbetrieb. Unliebsame Zecken bereiten sich vor, um uns und unsere Tiere auf eine ganz gemeine Art und Weise zu überfallen und mit Krankheiten zu infizieren. Nicht, das dies schon alles wäre, nein, unser Tier leidet vielleicht auch noch an einem hartnäckigen Sommerekzem, was die Freuden an der wunderschönen Jahreszeit mit dem herbei gesehnten Sommer nun zum Horrortrip macht.
Dieser Sommer wird anders!
Natürlich gibt es gegen all dies kein einzigartiges, ultimatives Rezept das überall und in jedem Fall hilft; das wäre ja auch zu einfach. Wir machen uns jetzt für Euch auf den Weg und probieren verschiedene Möglichkeiten aus, ohne Versprechungen, denn davon gibt es genug.
Im ersten Geschäft stolpere ich über die vielversprechende Anpreisung eines Insektensprays:
„Das wirkungsvolle Fliegenspray … bekämpft effektiv Mücken und alle nervigen Insekten … Durch die extra starke Formel wirkt es sofort, zuverlässig und langanhaltend. Der enthaltende Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET) wurde von der US-Armee als Insektenabwehrmittel entwickelt und fand vor allem in malariagefährdeten Gebieten Anwendung, da es sowohl tag- wie auch nachtaktive Stechinsekten abwehrt.“
Super, das gönn ich doch meinem Pferd und mir! Doch dann kam mir etwas aus meinem Studium in den Sinn, das mich stutzig machte und mich das Produkt wieder zurück stellen liess.
DEET
Tatsächlich hilft die Substanz DEET gegen Mücken. Sie hat auch noch viel mehr auf Lager. DEET kann Plastik schmelzen und Leder beschädigen. Super, ist doch unser Sattel und die Trense aus Leder. Geschweige denn der Gedanke, was DEET mit unserem Pferd anstellt.
Beim Menschen kann DEET gemäß einigen Studien:
- die Häufigkeit von Schlaflosigkeit erhöhen
- die Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen
- Gemütsschwankungen hervorrufen
- das Enzym Acetylcholinesterase hemmen. Dieses Enzym baut den Neurotransmitter Acetylcholin ab, welcher die Aufgabe hat, Informationen zwischen Nervenzellen zu übertragen. In Kombination mit Insektiziden verstärkt sich die Wirkung dieses Enzyms.
Das geht gar nicht
also nehme ich das nächste Repellent in die Hände. Kein DEET, sehr gut, „… mit einem pflanzlichen Auszug aus der Chrysantheme in Kombination mit Citronella.“ Klingt toll, aber ist es das wirklich?
Aus den Blütenköpfen verschiedener Chrysanthemen-Arten wird Permethrin hergestellt. Ein bekanntes Nervengift. Permethrin kann Lungen- und Lebertumore verursachen und einen negativen Einfluss auf unser Immunsystem haben. Für die Umwelt ist es hochgiftig, besonders für Bienen, Katzen und andere Tiere. Für den Menschen gilt es als harmlos. Möchte ich das wirklich an meinem Pferd testen?
Jetzt stinkt‘s mir aber. Was können denn natürliche Produkte?
Kokosfett gegen die Plagegeister
Kokosfett ist beinahe schon ein Mädchen für alles. Man kann es unter anderem als Brotaufstrich essen oder es sich als Deo-Ersatz unter die Achseln schmieren. In der Hundeernährung ist Kokosfett schon lange ein wichtiger Futterzusatz als schneller Energielieferant. Pferde hingegen sollte man nicht mit Kokosfett füttern.
Die Kokosnuss enthält mit über 55% weitaus am meisten Laurinsäure. Kokos sollte deshalb in der Ernährung einen geschätzten Stellenwert erhalten, da Laurinsäure im Körper zu Monolaurin umgewandelt wird. Diese Verbindung ist für Viren, Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen hochgiftig, da sie deren Lipidmembran durchdringt und deshalb unschädlich macht.
Weder Zecken noch Kribbelmücken, Läuse oder Bremsen mögen den Duft der Kokosnuss. Natürlich wird man nie den gleichen Effekt erfahren wie bei chemischen Mitteln mit Nervengiften, welche die Parasiten bei Fellkontakt lähmen oder gar abtöten. Deshalb bleibt es von Bedeutung, den Hund oder das Pferd nach einem Spaziergang oder Ausritt kurz abzusuchen.
Da es sich um Fett handelt, reicht eine einmalige tägliche Anwendung beim Hund und Pferd. Am besten morgens vor dem Spaziergang oder Ausritt WENIG Kokosfett in den Händen verreiben, die Beine und den Kopf des Tieres, beim Pferd zusätzlich die Schweifrübe, an den sogenannten „Nahtstellen“ und am Euter sparsam einreiben.
Tonerde Paste – Lehm – Heilerde
Diese Produkte werden zwar nicht unbedingt für dieses Einsatzgebiet angepriesen, jedoch gehört die Tonerde Paste seit Jahren zu meinem Favorit.
Hier werden wie beim Kokosfett die von den Mücken und Bremsen bevorzugten Stellen eingeschmiert. Diese Anwendung hat Vorteile sowie Nachteile. Schämt man sich, mit einem Lehmhaufen durch die Gegend zu streifen oder hat kein fliessendes Wasser im Stall um sich die Hände zu waschen, ist dies sicherlich nicht die geeignete Lösung. Vorteile sind, dass bereits verstochene, warme und juckende Stellen gekühlt werden und es zu keinen weiteren Stichen durch die abgedeckten Stellen kommen kann.
Und mal ehrlich, hatten wir in der Schulzeit doch unseren Spass beim Basteln mit Ton oder Lehm.
Knoblauch
Immer wieder ist zu lesen, dass Mücken sich mit Knoblauch in die Flucht schlagen lassen. Hier wurde offensichtlich die Mücke mit einem Vampir verwechselt. Stechmücken werden bekanntlich von Ausdünstungen, wie zum Beispiel von Schweiß, angelockt. Wissenschaftliche Studien belegen, dass das Füttern von Knoblauch für diesen Fall ein Mythos ist.
Wozu dann Knoblauch füttern? Knoblauch in geringem Masse wird zur Unterstützung diätetischer Maßnahmen bei erhöhten Blutfettwerten sowie zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßerkrankungen eingesetzt.
Bierhefe
Eines meiner Lieblingsprodukte. Bierhefe enthält sehr viele B-Vitamine. Die Insekten mögen die dadurch entstandene – für uns nicht wahrnehmbare – spezielle Ausdünstung des Körpers nicht. Aus diesem Grunde bleiben sie, sobald das Pferd anfängt zu schwitzen, fern. Bierhefe kann noch unglaublich viel mehr, weshalb es bei den meisten Pferden zum festen Bestandteil des Futterplans gehören sollte.
Anti-Mücken Apps
Ja, Sie lesen richtig. Es gibt tatsächlich Apps für Ihr Smartphone, die gegen Mücken angepriesen werden. Doch Stechmücken sind schwerhörig und lassen sich mit hochfrequenten Tönen nicht vom Stechen abhalten. Pferde reagieren dafür umso empfindlicher.
Schwarzkümmelöl – Einfach lecker und erst noch wirksam
In der Tiermedizin wird Schwarzkümmelöl schon längere Zeit zur Immunregulation eingesetzt. So kam es auch, dass im Jahr 2014 Alexander Betz aus Regensburg festgestellt hat, dass sein Hund, dem er aufgrund einer Futtermittelallergie Schwarzkümmelöl ins Futter mischte, praktisch zeckenfrei war.
Diesem Phänomen ging er im Rahmen von „Jugend forscht“ nach und experimentierte direkt mit Schwarzkümmelöl gegen Zecken, die er auf einer Wiese einfing. Die Blutsauger zeigten eine deutliche Abneigung gegen das Öl, das mit Blut oder Schweiss gemischt wurde. Schwarzkümmelöl kann zusätzlich wie das Kokosfett äusserlich aufgetragen werden, um die Intensität der Wirkung zu erhöhen.
Ekzeme
Immer wieder wird behauptet, das Sommerekzem rühre von einem schlechten Stoffwechsel her, aber auch eine schlechte Fütterung wird dafür verantwortlich gemacht, wie noch viele andere Ursachen.
Was ist das echte Sommerekzem wirklich? Die Haut hat wenig Möglichkeiten, sich gegen Erkrankungen zu wehren und zeigt deshalb bei unterschiedlichen Erkrankungen oftmals ähnliche Haut- und Fellveränderungen. Allzu schnell erfolgt dann die Diagnose Sommerekzem. Bei einem echten Sommerekzem handelt es sich alleinig um eine allergische Reaktion gegen Mücken – bzw. ihren Speichel – der Gattung Culicoides spp., besser bekannt als Kriebelmücken oder Gnitzen.
Oftmals beklagen sich Besitzer von Sommerekzemern bei mir, dass ihr Pferd partout Nachts nicht auf die Weide möchte. Mit der Information, dass die Culicoides spp. nachtaktiv! sind, wird auch klar warum. Ekzempferden kann sehr gut mit Hanföl geholfen werden, um das Immunsystem der Haut zu unterstützen. Ebenfalls helfen Ekzemerdecken.
Mein Fazit
Gegen Zecken und Insekten kann mit den obigen Produkten viel erreicht werden.
Meine absoluten Favoriten bleiben nach wie vor die Bierhefe im Futtertrog in Kombination mit Kokosfett für den Kopf und Tonerde Paste für die Bauchnaht und das Euter.
So kommen wir gut über die für mich doch schönste Jahreszeit.








