Gold aus zweiter Hand ist so gut wie Gold aus erster Hand. Daher hält Ursula Schuster die von Pat Parelli vor vierzig Jahren definierten Zehn Qualitäten heute fßr genauso wertvoll wie damals. Sie fasst sie fßr uns in diesem Beitrag zusammen.
Qualitäten des Miteinanders
und Fßhrungsqualitäten des Reiters
Zum 40-jährigen Jubiläum von Parelli Natural Horsemanship
Autorin: Ursula Schuster, Parelli Professional
Gold aus zweiter Hand ist so gut wie Gold aus erster Hand. Daher halte ich die von Pat Parelli vor vierzig Jahren definierten Zehn Qualitäten heute fßr genauso wertvoll wie damals. Hier eine kleine Auffrischung zum Saisonstart:
Diese Zehn Qualitäten eignen sich fßr jeden Level und jedes Alter. Die ersten vier sind Qualitäten des Miteinanders und sprechen somit Pferd und Mensch an. Die Qualitäten fßnf bis zehn umfassen die Fßhrungsqualitäten des Reiters.
Je mehr sie uns zur zweiten Natur werden, desto mehr entwickeln wir ein âHändchenâ fĂźr Pferde. AuĂerdem sind sie auch ein MaĂstab, an dem wir uns wieder orientieren kĂśnnen, wenn wir merken, dass es irgendwo in der Beziehung oder im Training âklemmtâ.
Qualitäten des Miteinanders
1. Herzblut
Eine Stute und ihr Fohlen sind wohl das beste Beispiel fĂźr Herzblut â das Idealbild einer starken, liebevollen Bindung zwischen zwei Lebewesen und ein Vorbild fĂźr die Beziehung zwischen Pferd und Mensch. Doch wir Menschen haben aus der Sicht des Pferdes manchmal andere oder zu viele Ziele und hängen unser âHerzâ an Leistung, Erfolg oder an das, was wir in dem Moment halt gerne wollen ;-). Es ist in Ordnung und sogar wichtig, Ziele zu haben, solange sie die Beziehung nicht negativ beeinträchtigen. Eine herausfordernde Balance!
2. Respekt
In erster Linie aus SicherheitsgrĂźnden, aber auch um grundsätzlich ein Leader zu sein, mĂźssen wir dem Pferd vermitteln, uns zu respektieren. Der Respekt des Pferdes bemisst sich unter anderem an seiner Einstellung und der angemessenen Qualität und Promptheit seiner Antwort. Auch der Respekt vor unserer persĂśnlichen Zone ist enorm wichtig! Gleichzeitig ist es essentiell, dass wir Menschen die Natur und BedĂźrfnisse des Pferdes respektieren. Diesen gegenseitigen Respekt kĂśnnte man âmentale Versammlungâ nennen.
3. Impulsion oder Antrieb
Impulsion bedeutet âemotionale Versammlungâ und eine kontrollierte Entschlossenheit. Das Ziel ist die Bereitschaft des Pferdes, sich mit unserer Energie und Emotion zu synchronisieren. Dazu mĂźssen wir sehr gute Kontrolle Ăźber unsere Emotionen haben, damit wir gegenĂźber dem Pferd Ruhe und Kompetenz ausstrahlen, auch in âflotterenâ und anspruchsvolleren Situationen.
4. Flexion oder Biegung
Flexion beginnt mit einem mentalen Verständnis, einer emotionalen Bereitschaft und fĂźhrt so zur Formung und Biegung des KĂśrpers. Wir streben Bewegungen an, die flieĂend sind. Verschiedene Zonen des Pferdes sollten gut isoliert mobilisiert werden kĂśnnen, sodass es fĂźr das Pferd einfacher wird, sich uns anzupassen und uns schlussendlich widerzuspiegeln. So bekommt jede Bewegung einen dynamischen und harmonischen Ausdruck.
Fßhrungsqualitäten des Reiters
5. Einstellung und Fokus â Positiv, progressiv und natĂźrlich
Unsere Einstellung soll positiv, fortschrittlich und natĂźrlich sein. Diese drei Aspekte in sich zu vereinen, ist gar nicht so leicht, machen uns jedoch zu einer groĂartigen FĂźhrungsperson. Es gibt Menschen, die sehr freundlich und positiv gegenĂźber ihren Pferden sind, aber es geht nur wenig vorwärts, was fĂźr das Pferd auch frustrierend sein kann. Andere verlassen sich zu sehr auf ihre Hilfsmittel oder benutzen alle mĂśglichen Gebisse oder mechanische Mittel. Und es gibt Menschen, die zwar fortschrittlich und natĂźrlich denken, aber nicht wirklich mit einer positiven Einstellung.
6. Feel und âFingerspitzengefĂźhlâ
Feel ist schwer zu fassen und fĂźr mich etwas Inneres und gleichzeitig etwas Physisches. Pferde mĂźssen sich auf ihr GefĂźhl verlassen kĂśnnen, um uns zu verstehen, vor allem wenn wir reiten. Auf das GefĂźhl, das wir Ăźbertragen, egal ob wir geschmeidig oder steif sind, werden sie entsprechend reagieren. AuĂerdem gibt es âFeelâ oder eben das FingerspitzengefĂźhl fĂźr die jeweilige Situation und wie ich darauf reagiere; wie ich mein Pferd berĂźhre oder wie ich die ZĂźgel aufnehme und die ârichtigenâ Hilfen gebe. Aber wie lernen wir diesen âFeelâ? In vielen Sportarten â aber Pferde sind eben viel mehr als âSportâ â gibt es normalerweise etwas, worauf man seinen Fokus lenkt, um natĂźrlicher zu werden. Dich zu fokussieren, innerlich und äuĂerlich ist sehr fĂśrderlich. In der Verbindung mit Einstellung bringt uns ein starker Fokus dem Feel näher.
7. Timing
Das Timing ist sehr wesentlich, denn Pferde sind sehr âgspĂźrigâ â ein Schweizer Ausdruck von mir muss hier mit rein ;-) â und rhythmische Tiere. Man erspĂźrt das Timing durch die entsprechende Einstellung und den Fokus. Durch optimales Timing wird alles einfacher und leichter.
8. Balance
Von Geburt an lernt ein Pferd natĂźrlicherweise, alles im Gleichgewicht zu tun. Der Gedanke an Bewegung beginnt im Kopf des Pferdes. Es bereitet seinen KĂśrper vor, bringt ihn in Balance und setzt dann die FĂźĂe in Bewegung. FĂźr uns ist der beste Weg, Balance zu erlernen Fokus, Feel und Timing. Wenn wir ein Pferd reiten, sollten wir anstreben, keinen negativen Einfluss auf seine Bewegung und dessen Balance zu haben.
9. Savvy oder âGewusst wieâ
Wer all dies in Kombination umsetzen kann und wiederholbare Ergebnisse erzielt, die beide Seiten voranbringen, hat Savvy. Die angemessenen Entscheidungen zu treffen wird mehr und mehr zur zweiten Natur. Dazu passt auch der Spruch:
Savvy is⌠knowing where to be, why to be and what to do when you get thereâŚ
Gewandtheit ist… zu wissen, wo man sein muss, warum man sein muss und was man tun muss, wenn man dort ist…
10.Erfahrung
Wir lernen aus unseren eigenen Erfahrungen. Gleichzeitig es ist so wertvoll, von den Erfahrungen anderer zu profitieren, den guten und den schlechten. Erfahrungen sammeln wir nur durch Investition in eine Sache. Erfahrung â im Unterschied zu manchen âTraditionenâ â lässt uns weisere Entscheidungen treffen und effizienter und vertrauenswĂźrdiger handeln.
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