Therese und Peter Nyffeler aus dem bernischen Häusernmoos sind leidenschaftliche Rösseler und einen wichtigen Betriebszweig auf dem Landwirtschaftsbetrieb bilden die Freibergerpferde. Diese werden für Gesellschaftsfahrten, Ausritte, Therapiereiten und Ackerbau eingesetzt.
Ob Kreiselschwader, Milchkarren, Artillerie-Kanone oder Sämaschine, die Pferde der Familie Nyffeler kennen ihren Job und tragen regelmässig einen Kummet. Die Freiberger bei Nyffelers stehen nicht herum, sie werden vielfältig eingesetzt und überzeugen mit ihrem tadellosen Charakter.
Auch für den Feldtest werden jährlich Pferde ausgebildet und Peter Nyffeler ist wohl der Einzige weit und breit, der mit den Dreijährigen eingespannt an die Feldtest-Prüfung fährt, diese absolviert und wieder angespannt nach Hause fährt:
«Genau das ist doch eigentlich der Sinn der Sache, dass die Pferde lernen, ruhig und gelassen im Strassenverkehr und Gelände zu agieren und Vertrauen in den Fahrer haben»,
sinniert der 66-Jährige, welcher mit Pferden aufgewachsen ist und seit knapp 50 Jahren die Fahrleinen in der Hand hält.
Leistungsbereitschaft auf vier Hufen
Eine artgerechte Pferdehaltung wird auf dem Hof grossgeschrieben und die 12 Freiberger, vom Fohlen bis zur 30-jährigen ‘Seniorin’ tummeln sich im grosszügigen Offenstall, können gemeinsam auf die Weide.
Für Nyffelers kommen definitiv nur Freiberger in Frage. «Wir hatten unser Leben lang immer Freiberger, denn sie sind ruhig, kräftig und leistungsbereit. Einen Freiberger kann man fast nicht überfordern, sie arbeiten gerne. Wir haben zurzeit vier Generationen im Stall, vom Vier- bis zum 30-Jährigen», erzählt Peter Nyffeler. Die trittsicheren und gut ausgebildeten Pferde können nach Absprache auch für Ausritte unter kundiger Begleitung gebucht werden.
Die Töchter von Nyffelers haben das Pferde-Gen mit übernommen. So ist Rebekka ausgebildete Freizeitreitlehrerin Trainer C und Nadja ist diplomierte Reittherapeutin.
Die Pferde werden regelmässig unter dem Sattel gearbeitet, beweisen ihre Vielseitigkeit an Patrouillenritten und haben als Lehrmeister für unzählige Kinder, Jugendliche und Erwachsene gedient.
An verschiedene Geräusche gewöhnen
Sieben eigene Freiberger zwischen drei und 17 Jahren werden regelmässig für Gesellschaftsfahrten eingesetzt. Dazu kommen die zwei eingestellten Pensionspferde, welche mit ihrem Besitzer die Familie unterstützen.
Kommt man auf die Ausbildung der Pferde zu sprechen, wirft Peter Nyffeler ein, dass dies eigentlich schon beim Charakter anfängt: «Die meisten Freiberger in unserem Stall stammen aus der eigenen Zucht. Wir sind überzeugt von den charakterstarken Zuchthengsten der Hengststation Minder in Huttwil und schätzen die umgänglichen und unkomplizierten Jungpferden, die aus diesen Anpaarungen entstehen. Die Fohlen lernen schon sehr früh das ABC, die sanfte, aber regelmässige Ausbildung beginnt schon mit wenigen Tagen. Sie lernen auf spielerische Art das Halfter anlegen, umher führen, Hufe geben, verschiedenste Geräusche, landwirtschaftliche Geräte und vieles mehr.»
Die Dreijährigen werden zweispännig auf der Strasse gefahren und beim Reit-Training in der Halle werden sie mit Plane, Schirm und vielem mehr konfrontiert, was ihnen im Alltag begegnen kann. «Da werden auch mal sachte Bälle geworfen, auf Trommeln gespielt, hoch zu Pferd ein Sack mit Blechbüchsen transportiert und die Tiere werden an Musik gewöhnt», ergänzt Therese Nyffeler.
Hohe Anforderungen an die Fahrpferde
Laut Peter Nyffeler eignen sich längst nicht alle Pferde für den Einsatz vor einem Gesellschaftswagen. Denn die Herausforderungen sind vielseitig, ein steigendes oder bockendes Pferd ist kein Thema und auch Tiere mit sensiblem Nervenkostüm sind nicht gefragt: «Da steigen oftmals Leute auf die Kutsche, welche den Umgang mit Pferden nicht kennen, Lärm und hastige Bewegungen machen und die Reaktion der Tiere nicht abschätzen können.»
Auch umher rennende Kinder, plötzlich ertönende Musik, aufgespannte Regenschirme und vieles mehr gehören zum Repertoire, was die Verlasspferde geduldig ertragen sollen. «Gerade beim Spalierstehen an einer Hochzeit kann einiges passieren, von Seifenblasen über aufsteigende Luftballons bis zu lautem Geknalle. Und eine weitere, grosse Anforderung an die Kutschenpferde ist das ruhige Stehen können, manchmal über einen längeren oder ungeplanten Zeitraum hinweg. Da wird vielleicht eine Braut ‘entführt’, die Gesellschaft vergisst sich mit Plaudern, jemand verspätet sich, es gibt unzählige Gründe, warum die Pferde manchmal einfach warten müssen», weiss Peter Nyffeler.
Tatarenhut ist gefragt
Die Nachfrage nach Hochzeitsfahrten ist gesunken, aber Peter Nyffeler kann sich noch erinnern, wie er anfangs Neunzigerjahre mehr als 70 Hochzeitspaare gefahren hat pro Jahr: «An diese Zahlen können wir heute bei weitem nicht mehr anknüpfen, die Zeiten haben sich geändert».
Bei ihm sind heute vor allem die Gesellschaftsfahrten mit kulinarischem Hintergrund gefragt. So können im grossen, speziellen Gesellschaftswagen, welcher immer von drei Pferden gezogen wird und für sechs bis zehn Personen konzipiert ist, entweder Käsefondue, Tatarenhut (Grillgut wird an Stahlspitzen an ein Fonduegerät in der Form eines traditionellen Hutes der Tataren gehängt), Raclette oder Brunch angeboten werden. «Essen und Getränke werden von uns organisiert, das Brunch Angebot ist mit regionalen Produkten und die Brotwaren werden von mir frisch gebacken», erläutert Therese Nyffeler, welche auch für die bunte Blumenpracht am Wagen verantwortlich ist. Der grosse Dahliengarten ist unübersehbar.
Fahrt durchs Emmental
Die ungefähr 75 Minuten dauernde Route bei den Kulinarik-Fahrten ist vorgegeben, darf nicht zu steil sein, damit weder Gläser noch sonst etwas vom Tisch rutschen. Der Start ist immer auf dem Hof, so kann Apéro und Dessert hier stattfinden und die Esswaren kommen direkt aus der Küche auf den Wagen.
Die Kundschaft wird im geschlossenen Wagen und bei jedem Wetter verpflegt. Die ‘gewöhnliche’ Rösslifahrt ohne Essen unterwegs kann sehr individuell gestaltet werden. Normalerweise werden zwei Pferde eingespannt und es finden bis zu 12 Personen Platz pro Wagen. Nyffelers haben vier Wagen auf dem Hof, können also bei Bedarf bis zu rund 50 Personen transportieren. Auch ein rollstuhlgängiger Wagen ist einsatzbereit und es können noch bis zu fünf Begleitpersonen Platz nehmen.
Die Routen sind unterschiedlich, normalerweise wird ab Hof oder in der näheren Umgebung, zum Beispiel bei Restaurants gestartet. Machbar ist fast alles und Peter Nyffeler versucht, Wünsche möglichst zu erfüllen.
Schöne Begegnungen und wertvolle Erinnerungen
Nicht zu unterschätzen ist der Aufwand, wenn in weniger bekanntem Gelände gefahren wird: «Da fahre ich vorher die Route mit dem Auto ab und prüfe, ob die Strecke mit den Pferden gut befahrbar ist, wie es in Sachen Höhenmetern aussieht und welche Pferde einzusetzen sind.»
Familie Nyffeler arbeitet mit der Schaukäserei Affoltern und dem Romantik Hotel Bären Dürrenroth zusammen und denkt an das erste Betriebsjahr der Schaukäserei zurück: «Da wurden mit 17 Wagen rund 20’000 Leute chauffiert.»
Die Kundschaft ist mit Paaren, Familien, Vereinen, Altersheimen oder Firmen sehr unterschiedlich. Kindergarten und Schulen sind mit der Kutsche unterwegs, aber auch für Geburtstage, Klassenzusammenkunft oder Ferienpass werden Fahrten gebucht. «Die meisten Personen streicheln vor dem Aufsteigen die Pferde, es werden Fotos gemacht und viele schicken im Nachhinein eine Dankeskarte, kommen wieder oder fragen nach den Pferden», so die Aussage von Therese Nyffeler.
Mit den Rösslifahrten hat sich die Familie ein Betriebs-Standbein aufgebaut, welches spannende Begegnungen mit Menschen bringt. Und die Freiberger können vor dem Wagen beweisen, was mit einer sorgfältigen und durchdachten Ausbildung und Haltung möglich ist.
Infos: www.nyffelerfreiberger.ch
© Karin Rohrer, Beitragsbilder: Karin Roher und zur Verfügung gestellt
Tatarenhut ist gefragt
Die Nachfrage nach Hochzeitsfahrten ist gesunken, aber Peter Nyffeler kann sich noch erinnern, wie er anfangs Neunzigerjahre mehr als 70 Hochzeitspaare gefahren hat pro Jahr: «An diese Zahlen können wir heute bei weitem nicht mehr anknüpfen, die Zeiten haben sich geändert». Bei ihm sind heute vor allem die Gesellschaftsfahrten mit kulinarischem Hintergrund gefragt. So können im grossen, speziellen Gesellschaftswagen, welcher immer von drei Pferden gezogen wird und für sechs bis zehn Personen konzipiert ist, entweder Käsefondue, Tatarenhut (Grillgut wird an Stahlspitzen an ein Fonduegerät in der Form eines traditionellen Hutes der Tataren gehängt), Raclette oder Brunch angeboten werden. «Essen und Getränke werden von uns organisiert, das Brunch Angebot ist mit regionalen Produkten und die Brotwaren werden von mir frisch gebacken», erläutert Therese Nyffeler, welche auch für die bunte Blumenpracht am Wagen verantwortlich ist. Der grosse Dahliengarten ist unübersehbar.
Fahrt durchs Emmental
Die ungefähr 75 Minuten dauernde Route bei den Kulinarik-Fahrten ist vorgegeben, darf nicht zu steil sein, damit weder Gläser noch sonst etwas vom Tisch rutschen. Der Start ist immer auf dem Hof, so kann Apéro und Dessert hier stattfinden und die Esswaren kommen direkt aus der Küche auf den Wagen. Die Kundschaft wird im geschlossenen Wagen und bei jedem Wetter verpflegt. Die ‘gewöhnliche’ Rösslifahrt ohne Essen unterwegs kann sehr individuell gestaltet werden. Normalerweise werden zwei Pferde eingespannt und es finden bis zu 12 Personen Platz pro Wagen. Nyffelers haben vier Wagen auf dem Hof, können also bei Bedarf bis zu rund 50 Personen transportieren. Auch ein rollstuhlgängiger Wagen ist einsatzbereit und es können noch bis zu fünf Begleitpersonen Platz nehmen. Die Routen sind unterschiedlich, normalerweise wird ab Hof oder in der näheren Umgebung, zum Beispiel bei Restaurants gestartet. Machbar ist fast alles und Peter Nyffeler versucht, Wünsche möglichst zu erfüllen.
Schöne Begegnungen und wertvolle Erinnerungen
Nicht zu unterschätzen ist der Aufwand, wenn in weniger bekanntem Gelände gefahren wird: «Da fahre ich vorher die Route mit dem Auto ab und prüfe, ob die Strecke mit den Pferden gut befahrbar ist, wie es in Sachen Höhenmetern aussieht und welche Pferde einzusetzen sind.» Familie Nyffeler arbeitet mit der Schaukäserei Affoltern und dem Romantik Hotel Bären Dürrenroth zusammen und denkt an das erste Betriebsjahr der Schaukäserei zurück: «Da wurden mit 17 Wagen rund 20’000 Leute chauffiert.» Die Kundschaft ist mit Paaren, Familien, Vereinen, Altersheimen oder Firmen sehr unterschiedlich. Kindergarten und Schulen sind mit der Kutsche unterwegs, aber auch für Geburtstage, Klassenzusammenkunft oder Ferienpass werden Fahrten gebucht. «Die meisten Personen streicheln vor dem Aufsteigen die Pferde, es werden Fotos gemacht und viele schicken im Nachhinein eine Dankeskarte, kommen wieder oder fragen nach den Pferden», so die Aussage von Therese Nyffeler. Mit den Rösslifahrten hat sich die Familie ein Betriebs-Standbein aufgebaut, welches spannende Begegnungen mit Menschen bringt. Und die Freiberger können vor dem Wagen beweisen, was mit einer sorgfältigen und durchdachten Ausbildung und Haltung möglich ist.
Infos: www.nyffelerfreiberger.ch
© Karin Rohrer, Beitragsbilder: Karin Roher und zur Verfügung gestellt










