7 Spiele, 7 Jobs oder 7 Torturen?

von | 15. Apr. 2017 | Uncategorized

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Im Natural Horsemanship nach Pat Parelli sind die 7 Spiele die Schlüssel zur Kommunikation mit dem Pferd. An der Equitana 2017 erklären die Parelli-Instruktoren Berni Zambail und Ursula Schuster, was zu beachten ist, damit die 7 Spiele für das Pferd nicht zu Jobs oder gar Torturen werden.

Wieso funktionieren die 7 Spiele?

An der Equitana 2017 führten Berni Zambail und Ursula Schuster durch eine Präsentation ihrer Kolleginnen Elena Bader und Barbara Heinen. Beatrice Hohl hat die Session gefilmt und im nachfolgende Beitrag protokolliert:

Demo an der Equitana 2017Berni: In der Pferdewelt wird Führung etabliert durch Kontrolle der Bewegung. Das heisst, der Ranghohe bestimmt, wo der Rangniedrige seine Füsse hin tut und in welcher Geschwindigkeit. Je besser er das kann, umso mehr wird er respektiert. Punkt.

Was machen wir, wenn wir die 7 Spiele spielen? Die Antwort heisst ganz einfach:

Wer bewegt wen!

Ursula: Ich habe mal gehört, dass Pferde sich drei Fragen stellen; eigentlich in jeder Situation im Leben. Und das ist eine davon; wer bewegt wen? Es gibt ja dann auch noch zwei andere. Die wichtigste Frage, die sich ein Pferd stellt ist immer und jederzeit: Bin ich sicher?

Dann geht es eben weiter: Wenn es diese Frage mit Ja abhaken kann, geht es darum: wer bewegt hier wen? Denn im Prinzip will das Pferd dann nur zur dritten Frage kommen. Und genau deswegen sind wir manchmal herausgefordert in diesem Spiel ‘wer bewegt wen’, weil das Pferd nicht immer so will wie wir. Wir wollen vielleicht eine andere Bewegung als das Pferd möchte, weil das Pferd dann ja eigentlich den Komfort sucht. So nennen wir es zumindest: Pferde suchen den Komfort.

Berni: Wenn wir das alles festgestellt und verstanden haben, kommen wir zur nächsten Frage. Wieso ist es wichtig, dass wir Kommunikation haben mit unserem Pferd, respektive dass wir unser Pferd in verschiedenen Zonen und an verschiedenen Körperteilen ansprechen können und es versteht uns?

Ich sags Euch: Damit ich das Pferd genauer und präziser und besser bewegen kann und damit meine Führung bestätigen kann.

Manchmal heisst Bewegen auch, Nichts tun!’

Wenn ein Pferd immer läuft, dann wäre die Kontrolle der Bewegung zu sagen: ‘Hallo, Stillstehen Kollege!’. Das ist das, was in einer Herde passiert. Wenn sich einer unflätig benimmt und überall hinrennt und alle plagt, dann kommt der Papa und sagt: ‘So, mein Freund, Klappe halten, Stillstehen! Ende der Fahnenstange.’ Und wenn einer nicht gehen will und allen im Weg steht, dann sagt er: ‘He, Kollege, bewegen! Jetzt aber sofort!’

Manchmal heisst Bewegen oder Bewegung beeinflussen: „Kannst Du einen Platz finden, wo Du stillstehen kannst?‘ Und manchmal heisst es ‘Beweg Dich’!

Ursula: Berni, könnte man dann auch sagen, ‘wer bewegt wen’ ist mehr oder weniger identisch mit

Ursula Schuster und Pat Parelli
Ursula Schuster und Pat Parelli

Wer hat den Plan?

Also, dass der Plan halt das Wichtige ist?

Berni: Guter Aspekt. Wenn wir unseren Pferden einfach nur die Füsse bewegen, sagen sie irgendwann: „Super, weisst du denn nicht, dass ich das schon weiss?“. Und dann geht es vorne herum und hinten herum und das Pferd geht: «ja, ja, ja, ja, ja… Und jetzt? Rückwärts und vorwärts…..“

Wie kann ich schauen, dass das nicht passiert? Indem dass ich beginne, mehr Verantwortung zu übergeben. Kann mein Pferd sich mit einer bestimmten Aufgabe verbinden? Sieben Spiele spielen, damit einfach die 7 Spiele gespielt sind funktioniert 3 Tage und dann beginnt manches Pferd zu sagen: «Ja, Du, was spielen wir hier eigentlich? Ich weiss jetzt, dass Du willst, dass ich vorne herum gehen und dass ich hinten herum gehen soll…. Und seitwärts und rückwärts und vorwärts. In allen drei Gangarten.» Also, ich muss etwas anderes finden!

Ursula: Sonst – werden aus 7 Spielen 7 Jobs. Oder noch schlimmer. Es gibt auch noch eine Steigerung davon.

Berni Zambail, Pat Parelli und Beatrice Hohl
Berni Zambail, Pat Parelli, Beatrice Hohl

Die Gefahr der Routine

Berni: Wenn wir am Morgen um 7 in der Strassenbahn sind, sehen wir Leute mit dem Stöpsel im Ohr, den Blick aufs Handy gerichtet. Manche denken: „Hoffentlich spricht mich keiner an. Wenn ich am Handy bin spricht keiner mit mir.“ Und sie denken: „Wenn’s nur schon Abend wäre!“ – Wenn jemand an einer Produktionskette steht und arbeitet den ganzen Tag und er macht dabei immer das Gleiche, so denkt er nur das Eine: «Wann ist endlich Abend?!»

Wenn wir nicht aus unseren 7 Spielen, 7 Jobs rauskommen,

dann werden die 7 Jobs zu den 7 Torturen

Und wenn dann das Pferd den Menschen mit dem Halfter kommen sieht, sagt es: «Uaaahh, nicht schon wieder!»

Also geht es darum, dass wir da versuchen, unseren Pferden einen Job zu geben. Und dass wir – sobald sie beginnen, diesen Job zu verstehen – ihnen mehr Verantwortung geben in diesem Job, so dass das Pferd herausfindet, worum es hier geht.

Denn wenn es herausfindet, worum es geht, beginnt es, sich anzustrengen und findet einen Sinn in der Geschichte.

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