Wenn Tiere sterben

von | 23. Aug. 2024 | Psychologie

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Tabuthema Tod

Es trifft jeden; ob Mensch oder Tier

Autorin: Patricia Wegmann, Sterbebegleitung für Tiere

Der Tod ist nicht willkommen. Wir tun uns sehr schwer damit, einen entspannten Umgang mit dem Tod zu pflegen, zumindest in unseren Breitengraden. Niemand möchte darüber sprechen, denn kaum einer weiss damit umzugehen. Und so kommt es, dass wir den Tod meist zu verdrängen versuchen. „Er kommt ja erst ganz zum Schluss, da habe ich noch Zeit und muss mich jetzt noch nicht damit auseinander setzen“, scheint es in vielen Köpfen zu denken. Man möchte möglichst nicht mit diesem Thema konfrontiert werden, weil es mit so vielen Gefühlen des Schmerzes, Leids, der Hilflosigkeit und der Trauer verbunden ist.

Und dann, urplötzlich, steht er doch unweigerlich da – der Tod. Denn er ist das Einzige, was wirklich sicher ist in unserem Leben, in jedem Leben.

Wir schieben den Tod weit von uns weg – bis an das vermeintlich ferne Lebensende – und glauben dadurch unbewusst tatsächlich, dass wir uns noch gar nicht mit ihm auseinander zu setzen haben. Doch der Tod gehört zum Leben genauso wie die Geburt. Er ist unweigerlicher Teil des Lebens! Und man kann und soll ihn nicht ignorieren, sondern besser integrieren.

Das Leben bedingt den Tod

Das Leben, die Natur, die ganze Welt besteht aus Dualität. Das Eine kann ohne das Andere nicht existieren. Und so bedingt das Leben den Tod und der Tod bedingt das Leben.

Der Tod umrahmt und umschliesst das Leben sozusagen: Wir kommen aus dem Nichts und wir gehen wieder in dieses Nichts hinein. Und dazwischen findet das Leben statt.

Erst durch den Tod kann das Leben an Bedeutung gewinnen.

Denn ist es nicht gerade der Tod und seine Botschaft der Endlichkeit, die uns daran erinnert, das Leben zu feiern und zu geniessen?

Würden wir Frieden schliessen mit dem Thema Tod, wären wir fähig zu erkennen, dass er nichts Böses ist, nichts Fehlerhaftes – nichts, was man „wegmachen können“ oder „vermeiden können“ müsste. Er ist einfach nur ewiger Teil des Lebenskreislaufs. Es ist daher auch nicht der Tod, der falsch ist. Falsch ist eher unser Umgang damit.

Der Tod eines geliebten Tieres

Spätestens als Tierhalter kommen nochmals ganz andere Sorgen rund um den Tod hinzu. Denn unsere Haustiere leben oft länger, als sie dies in der Natur jemals könnten. Und nur selten verlassen Tiere auf natürliche Weise ihr Leben. Viel öfter muss der Tierbesitzer – Hüter der Tierseele auf Erden – diese Entscheidung treffen. Doch wie soll man mit so einer Entscheidung umgehen können, wenn man in einer Kultur aufwächst und lebt, in der wir keinen natürlichen und gesunden Umgang mit dem Tod kennen?

Ich persönlich finde es unglaublich schmerzhaft zu sehen, wie zahlreiche Menschen sich gerade deshalb angesichts des Todes noch zusätzliche Bürden, Lasten oder gar Ketten auferlegen. Als ob der Abschied und der Verlust eines geliebten Tierwesens nicht ohnehin schon genug schmerzhaft wäre. Als ob die Verarbeitung und das Durchleben der so wichtigen Trauerphase nicht ohnehin schon genug von unserer Kraft einfordern würde.

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Frieden mit dem Tod finden

In all den Jahren, in denen ich auch mit zahlreichen verstorbenen Tieren kommunizieren durfte, war eines immer ganz deutlich spürbar: Verstorbene Tierseelen wünschen sich, dass ihr Mensch mit dem Tod in Frieden kommt und nicht ein Leben lang deswegen leidet. Das ist nicht Sinn des Todes und auch nicht Sinn des Schmerzes. Denn beide sollten wieder vergehen und den Raum für Neues frei geben können. Dies erreichen wir jedoch weder, in dem wir zu sehr am Schmerz und dem Leid festhalten, noch indem wir ihm zu entrinnen versuchen. Erst wenn wir bewusst durch all den Schmerz, den so ein Verlust unweigerlich mit sich bringt, hindurch gehen, können später wieder erfüllendere Gefühle wie Dankbarkeit und Freude in unserem Herzen einziehen.

Angesichts des Todes werden wir aufgefordert, das Leben noch einmal bewusst zu zelebrieren und uns darüber zu freuen, dass wir Teil dieses einen Lebens sein durften und auch umgekehrt dieses eine Leben Teil unseres eigenen Lebens war.

Und so können wir vielleicht erkennen, dass selbst im Tod unendlich viel Liebe steckt. Denn jede vergossene Träne nach einem Abschied ist nicht nur Ausdruck des Schmerzes, sondern auch der Liebe.

Ein Tier stirbt

Fotos: Photo by Agata Kaczówka on Unsplash and Markus Krisetya on Unsplash

Zum Autor

Steffi Kilcher

Steffi Kilcher

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