Anatomie verstehen, besser reiten.

von Passion | 9. Mai 2022 | Ausbildung, Reitmagazin | 0 Kommentare

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Interview mit Stefan Bettschen

Anatomie verstehen, besser reiten

Autorin: Theres Misar, Schweizer Reitmagazin PASSION

Wie genau verhält sich das Zusammenspiel Sitz, Bein und Hand in der Biomechanik des Pferdes? Auf Wunsch von Christoph Hess haben wir diese Frage nun auch noch einem Tierarzt und Chiropraktiker für Pferde vorgelegt.

Stefan Bettschen

Mit Stefan Bettschen haben wir für diese Antwort den idealen Partner gefunden. Selber aktiver Springreiter bis Höhe 140cm und Betreiber einer kleinen Pferde Liebhaber Zucht, bildet er seine Youngster selber aus. Zudem unterrichtet Stefan am Inforama in Zollikofen angehende Bereiter und Pferdepfleger. Durch seinen Beruf kommt er täglich mit unzähligen Pferden und seinen Besitzern in Kontakt. Für uns erzählt er aus seinem reichhaltigen Fundus.


Wie genau verhält sich das Zusammenspiel Sitz, Bein und Hand in der Biomechanik des Pferdes?

Das Verständnis der Anatomie beim Pferd bildet die Grundlage für das Verstehen wie korrektes Reiten aussehen sollte, damit uns Pferde schadlos tragen können.

Betrachten wir ein Pferd von der Seite, dann sehen wir, dass der Bauch zwischen Vorder- und Hinterbeinen nur am Rücken aufgehängt ist. Dieser Bauch wiegt gut und gerne 250 kg und wird alleine durch die Bauchmuskulatur und der Wirbelsäule getragen. Pferde habe einen kleine Magen, dadurch sind sie während 16 Stunden mit Fressen beschäftigt. Fressen tun die Pferde mit Nase am Boden, durch das starke Nackenband und den langen Hals wird dadurch der Rücken gedehnt, die Bauchmuskeln angespannt und gekräftigt. Das gleiche Prinzip wie beim Menschen, wenn er seine Bauchmuskeln mittels „seat ups“ trainiert. Dieses Zusammenspiel verschiedener Körperpartien hilft den schweren Bauch zu trage. Dieses System müssen wir Reiter nun übernehmen, um zusätzlich zum Bauchgewicht noch bis zu 100 kg Reiter tragen zu können. Kräftige Bauchmuskeln sind entscheidend und diese bekommt ein Pferd durch vermehrtes hinten untertreten, welches wir mit Sitz und treibenden Hilfen erreichen. Vorne sollte sich das Pferd an die Hand dehnen und loslassen. Für die zunehmende Versammlung ist dann die Oberhalsmuskulatur zuständig. Galopp ist übrigens DIE Gangart um die Bauchmuskeln optimal zu trainieren.

Ist das Wissen um Zusammenhänge wie Sitz, Bein, Hand in der Reiterwelt etabliert?

In der Theorie ja, in der Praxis nein.

Was erlebst du in deiner Arbeit als Chiropraktiker am Pferd in der Praxis?
Es fehlen die reiterlichen Grundlagen und das Wissen um die Anatomie beim Pferd. Bei Amateuren im Springen bis 120 cm und in der Dressur bis Kategorie L/M sind Mankos in der Grundausbildung fest zu stellen. Oft haben diese Reiter tolle Pferde welche das fehlende Wissen kompensieren, nicht ohne Folgen.

Was sind die häufigsten Blockaden welche du behandeln musst?

ISG Gelenk (Iliosakralgelenk), Lendenbereich und Hals.

Wie entstehen diese?

Den grössten Einfluss nimmt der Reiter auf diese Blockaden. Dann spielen Sattel, Hufbeschlag und Haltung eine weitere Rolle. Ein guter Reiter spürt, wann und wo sein Pferd nicht mehr flüssig läuft.

Bei Unstimmigkeiten und unrundem Laufen bei ihren Pferden führen die Reiter diese auf eine Gelenkblockade zurück. Das ist aber nicht korrekt. Wenn wir, oder Pferde Schmerzen haben, bewegen wir uns weniger als normal, dadurch wird die Mobilität im Gelenk eingeschränkt, es entstehen kleine Muskelverkrampfungen welche den Schmerz verursachen.

Laut Aussage von Christoph Hess im vorliegenden Interview, beschäftigen sich Springreiter zu wenig mit der dressurmässigen Ausbildung bei ihren Pferden. Wie stehst du zu dieser Aussage?

Das sehe ich nicht nur auf eine Disziplin bezogen. Ich sehe mangelnde Ausbildung und Wissen bei den Fahrern, beim Westernreiten, bei den Isländern, Spring- und Dressurreitern. Also in allen Kategorien und Reitweisen. Was ich nicht nachvollziehen kann, denn wir haben in der Schweiz hervorragende Trainer und Ausbildner.

Gillian Higgins

Was sind deine Wünsche an die Reiter?

Dass sich diese mit der Anatomie der Pferde auseinandersetzen und die Zusammenhänge sehen und verstehen. Meinen Schülern am Inforama empfehle ich dazu die Bücher und Videos von Gillian Higgins.

 

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